Absolut wichtig für PraxisinhaberInnen: Liquiditätsmanagement in Corona-Zeiten - Coactiv Consulting
Coactiv Liquiditaetsmanagement In Corona Zeiten
25. März 2020

Aus vielen Erfahrungen in Krisenberatungen in den letzten 20 Jahren als Unternehmensberater weiß ich, dass in der wirtschaftlichen Krise einer Praxis die konsequente Abarbeitung einer Strategie zur Liquiditätssicherung das A und O des wirtschaftlichen Überlebens ist. In den nächsten Monaten gilt es für alle, die Liquidität der Praxis zu sichern und damit den Fortbestand der Arbeitsplätze der Mitarbeiter, die Existenz des Praxisinhabers und letzten Endes die langfristige Therapiesicherung für die Patienten zu sichern.

Wenn Du Deiner Liquiditätsplanung bisher wenig Beachtung geschenkt hast, dann ist jetzt der Zeitpunkt, sich sehr genau mit einer strukturierten Sicherung Deiner Zahlungsfähigkeit zu beschäftigen.

Oberste Priorität in der Unternehmenskrise: Zahlungsfähigkeit erhalten!

Im Grunde dient die Liquiditätsplanung dazu, die Zahlungsfähigkeit Deiner Praxis zu sichern und bestehende Engpässe rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig Maßnahmen dagegen einzuleiten. Eine solche Situation haben wir derzeit für alle Physiotherapie-Praxen in Deutschland. Durch die Corona-Krise kommt es in vielen Praxen zu Umsatzeinbrüchen, die sich ab April auf dem Konto zeigen werden und ab Mai die Praxen heftig treffen werden. Im Sinne der Liquiditätsplanung heißt das, dass viele Praxen mit geringen oder überhaupt keinen Rücklagen aktuell eine drohende Liquiditätskrise erkennen. Es muss gehandelt werden. Aber auch für Praxen, die finanziell in den letzten Monaten und Jahren geschickt waren, stellt sich die Frage: „Sollen wir für die drohende, und aus meiner Sicht nur vorübergehende, Liquiditätskrise auf eigene Reserven zurückgreifen? Oder sollen wir Fremdkapital zur Aufstockung der eigenen liquiden Reserve nutzen?“.

Aktuelle Anforderungen für Praxen mit wenig Liquidität

Im ersten Fall, dass nur geringe bzw. überhaupt keine liquiden Mittel vorhanden sind, ist die Lösungsstrategie ganz einfach: Soviel Liquidität wie möglich in das Unternehmen schaffen und die nachher noch folgende Strategie konsequent umsetzen. Ansonsten droht Deiner Praxis in relativ kurzer Zeit die Insolvenz! Es geht schlicht um das Überleben der Praxis! Das kann man nicht klar genug ausdrücken.

Aktuelle Anforderungen für Praxen mit (anscheinend) ausreichender Liquidität

Im zweiten Fall, dass umfangreiche liquide Mittel zur Verfügung stehen, ist die Situation richtig zu bewerten. Hierzu sollte man aber in jedem Fall von einem eher pessimistischeren Szenario und von einer relativ langen Umsatzklemme über mehrere Monate ausgehen. Bei in Hinsicht auf Liquidität gut ausgestatteten Unternehmen geht es eher darum abzuschätzen, wie teuer eine Versorgung mit Fremdkapital für die benötigten Betriebsmittel im Gegensatz zum Einsatz von Eigenkapital ist und wie gut die Ertragslage nach der Krise eingeschätzt wird, um Kredite zurückzahlen zu können.

Liquiditätsmanagement in 10 Schritten

Für sowohl Praxen mit wenig Liquidität als auch für Praxen mit (anscheinend) ausreichender Liquidität gilt es, in folgenden Grundschritten vorzugehen:

  1. Kurzarbeitgeld bei der Agentur für Arbeit anmelden und die Unterstützungsleistungen nutzen. Das schützt die Arbeitsplatzsicherheit der Mitarbeiter und entlastet das Unternehmen von unnötigen Lohnzahlungen, denen keine Wertschöpfung gegenübersteht. Informationen hierzu findest Du auf der Website der Agentur für Arbeit.
  2. Kurzfristige Abrechnung der schon geleisteten Behandlungen durchführen. Das wird seit letzter Woche Freitag, den 18.03.2020 durch die Krankenversicherungen ermöglicht. Dies in kurzen Zeitabständen zu tun ist besonders für liquide nicht gut aufgestellte Praxen wichtig, da die Krankenversicherungen in der Erklärung schon angekündigt haben, dass es bei ihnen zu Arbeitsengpässen kommen kann.
  3. Kurzfristige Liquiditätszuschüsse der Bundesregierung und der Landesregierungen (wie zum Beispiel schon angeboten in Bayern) nutzen und beantragen. Das Antragsverfahren soll elektronisch von Statten gehen. Bei diesen Zuschüssen handelt es sich um nicht rückzahlungspflichtige Subventionen von bis zu 15.000,- €, wenn die Voraussetzungen stimmen. Genaue Informationen gibt es vom Bundesfinanzministerium.
  4. Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen. Alle von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen können einen Antrag auf Stundung der Sozialversicherungsbeiträge stellen. Für März endet die Frist hierzu am 26.03.2020. Wende Dich formlos unter Bezug auf Notlage durch die Corona-Krise und Paragraf § 76 SGB IV an Deine Krankenkassen, die Deine Sozialversicherungsbeiträge erheben. Einen Musterantrag gibt es hier.
  5. Stundungen von Steuerzahlungen bei den Finanzämtern. Die Finanzämter sind angewiesen, anstehende Steuerzahlungen zu stunden und auszusetzen. Du kannst anstehende Einkommenssteuerzahlungen und Vorauszahlungen aufschieben und damit die Liquidität ohne Kreditaufnahme verbessern. Ansprechpartner dazu ist Dein Steuerberater bzw. Dein Finanzamt.
  6. Tilgungsstundungen bei laufenden Krediten verhandeln. Die Erfahrung zeigt, dass es ich in jedem Fall lohnt, mit der Bank über eine Stundung von Tilgungszahlungen zu verhandeln, wenn es liquide eng wird. Viele Banken sind dazu bereit, wenn die liquide Krise überschaubar ist und die Fortsetzungsprognosen des Unternehmens erfolgsversprechend sind. Das ist bei den meisten Physiotherapiepraxen der Fall. Gehe bei Bedarf auf Deine Bank zu und frage was möglich ist.
  7. Aussetzung von Leasingraten. Auch mit Leasinggebern kann man aktuell über die Aussetzung von Leasingzahlungen oder Reduzierungen von Leasingraten verhandeln. Auch hier ist es wichtig, schon jetzt auf die entsprechenden Finanzinstitute zuzugehen.
  8. Bei Bedarf Fremdkapital bei der Bank beantragen. Wenn es um öffentliche Kredite der KfW oder der Landesbanken geht, gilt in der Regel das Hausbankprinzip. Dieses besagt, dass öffentliche Kredite über die Hausbank beantragt werden müssen. Auch wenn die Programme noch nicht ganz klar sind (Stand 22.03.2020): Spreche jetzt schon Deine Bank an und bereite sie damit auf die kommenden Gespräche vor. Deine Bank kann Dir auch sagen, welche Unterlagen für die Beantragung Deinerseits benötigt werden. Diese solltest Du in jedem Fall jetzt schon vorbereiten. Falls Du kurzfristig schon knapp bei Kasse bist, was eigentlich nicht sein dürfte, da Du aktuell noch auf die Abrechnungen für den vergangenen Monat zurückgreifst, solltest Du Folgendes in Erwägung ziehen: Lasse Deine Kontokorrentlinie bei der Bank für die Übergangszeit bis zur Klärung der Kreditprogramme ausweiten. Genaue Informationen dazu gibt es stets aktualisiert von der Bundesregierung, dem Bundeswirtschaftsministerium, der KfW und den Landesbanken.
  9. Verhandlung mit dem Vermieter über Mietstundung. Viele Vermieter wissen, dass eine Physiotherapiepraxis ein verlässlicher Mietpartner mit einer, im normalen Wirtschaftsalltag, geringen Ausfallwahrscheinlichkeit ist. Ebenfalls gibt es für Vermieter derzeit keine allzu rosigen Aussichten, schnell neue gewerbliche Mieter zu finden. Insofern haben auch viele Vermieter ein Interesse daran, dass Du als Mieter noch viele Jahre erhalten bleibst. Eine gute Grundlage für seriöse und faire Verhandlungen. Nutze das bei Bedarf!
  10. Entlassung von Mitarbeitern. Das sollte die letzte Option sein, wenn die Situation sehr lange andauern sollte und Du keine andere Möglichkeit hast, Deine Praxis kostenmäßig zu entlasten. Bedenke aber, dass diese Krise ein sicheres Merkmal hat: Sie ist zeitlich begrenzt! Wie lange, kann aktuell zwar niemand sagen, aber sie dauert nicht unendlich lange an. Und nach der Krise geht es wahrscheinlich mit einer hohen Intensität weiter. Du wirst dann jeden Mitarbeiter brauchen!

Von ganzem Herzen viel Erfolg, gutes Durchhalten und Gesundheit in den nächsten Monaten!

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